Texte

Die Ordnung herrscht in Kairo

26. Januar 2015

Am Sonntag verging der vierte Jahrestag des 25. Januar 2011, als eine Welle von Unruhen in Kairo begann, die die ägyptische Regierung aus dem Amt zwang. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir ein Interview mit Philip Rizk, einem Filmemacher und Autor aus Kairo, der die derzeitige Lage in Ägypten zusammenfasst.

Vor vier Jahren, als die Welt bereits unter einer unerwarteten Wirtschaftskrise ächzte, brachen im Norden des afrikanischen Kontinents Unruhen aus, die noch viel unerwarteter waren. Vorgeschichte und Verlauf dieser Unruhen werden in einem der zwei hier dokumentierten Gespräche mit ägyptischen Genossen geschildert. Es wurde 2011, ein paar Wochen nach der Absetzung des obersten Staatslenkers Hosni Mubarak, am Ort des Geschehens geführt, den eine revolutionstouristische Abordnung von uns aufgesucht hatte. Die Euphorie über die damals, so auch von uns im Titel der Erstveröffentlichung dieses Gesprächs, als »Revolution« bezeichneten Ereignisse war noch deutlich spürbar, aber es braute sich auch bereits erster Unmut über die von den Generälen besorgte Interimsregierung zusammen, die reihenweise unliebsame Zivilisten von Militärgerichten aburteilen ließ, während dem verhassten Ex-Staatschef kein Nachteil daraus entstand, dass seine Schergen während des Aufstands 800 Menschen getötet hatten. Dieser Unmut dürfte es vor allem gewesen sein, der 2012 der islamistischen Muslimbruderschaft bei den Präsidentschafts- wie Parlamentswahlen als vermeintlicher Alternative zum Ancien Régime einen klaren Sieg einbrachte. Als diese ebenfalls mit blutiger Repression nicht sparte, und die wirtschaftliche Misere des von Massenarmut gezeichneten Landes sich eher noch verschärfte, kam es im Sommer 2013 zu den größten Demonstrationen in der Geschichte Ägyptens, von denen flankiert erneut die Militärs die Macht an sich rissen.

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»Die nächste Schlacht wird viel gewaltsamer«: Interview mit Philip Rizk

26. Januar 2015

Philip Rizk ist Filmemacher und Autor. Er lebt in Kairo. Das Interview wurde im Herbst 2014 in Berlin von ein paar Freunden der klassenlosen Gesellschaft geführt.

Das Interview wurde veröffentlicht in der Broschüre »Vier Jahre Wirren in Ägypten« veröffentlicht. Diese Broschüre ist für 2 Euro erhältlich. Wiederverkäufer können 5 Exemplare für 8 Euro oder 10 für 15 Euro erwerben.

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Zugaben zum Wunschkonzert

10. November 2013

In der Zeitschrift Analyse und Kritik (ak580) haben wir versucht, eine Debatte über die Positionen jener Linken anzustoßen, die sich für Linksparteien begeistern und zum Teil ernsthaft glauben, eine alternative Wirtschaftspolitik könne die Krise des Kapitals lösen und zugleich Europa in ein Arbeiterparadies verwandeln. Mit unserem Anliegen sind wir leider gescheitert, denn in den Antworten wird kaum auf unsere Argumentation eingegangen – eine Debatte fand nicht statt.

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Über die Kommunisierung und ihre Theoretiker

23. August 2012

»Was auf dem Programm stand, war die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, das zunächst in einer sozialistischen, noch von Warenproduktion und strikter Bemessung des individuellen Anteils am gesellschaftlichen Reichtum geprägten Übergangsgesellschaft die Grundlagen des Kommunismus schaffen sollten, also einer klassenlosen Gesellschaft, in der es kein Lohnsystem, keine Proletariat mehr gibt. Der Begriff Kommunisierung drückt die Antiquiertheit dieser Vorstellung aus. Kommunismus ist demnach kein fernes Ziel, sondern die Bewegung selbst, die jegliche Tauschbeziehungen und den Staat liquidiert.«

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Der Existenzialismus als Zerfallsprodukt revolutionärer Theorie

23. August 2012

»Ohne ein Verständnis des Kapitals als gesellschaftliches Verhältnis verkommt das Projekt der Abschaffung zur Entscheidung einiger Verdammter der Zivilisation. Nur als Angriff der Lohnabhängigen auf ihre Existenz als Proletarier, als praktische Kritik der alltäglichen Passivität kann diese Abschaffung erfolgen und nicht als Lebensreform einiger Existenzialisten«

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Arabischer Frühling im Herbst des Kapitals

22. August 2012

»Wenn in Griechenland und Spanien ebenso viele Jugendliche wie in Tunesien und Ägypten vor dem Problem stehen, zur Lohnarbeit verdammt zu sein, aber keine zu finden, kann es sich kaum um eine Folge mangelnder Dynamik aufgrund von etatistischer Verknöcherung und Korruption handeln, sondern scheint der historischen Dynamik der bestehenden Produktionsweise schlechthin zu entspringen.«

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