Kosmoprolet #1

01. Jun 2007

Erschienen im Juni 2007 | 137 Seiten | 4€

Herausgegeben von den »Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft« (Berlin)

Editorial

Kosmoprolet ist ein Versuch, mit Leuten in Diskussion zu treten, die ebenfalls das Bedürfnis verspüren, die ausgetretenen Pfade des linken Aktivismus zu verlassen und sich auf die Klassenverhältnisse zu beziehen. Der Name erinnert an die Cosmopolis, an die Idee des Weltbürgers, doch durch die Einfügung des »r« wird der schöne (kantische) Bürgertraum konterkariert und auf seine radikale Pointe gebracht: Die Weltgesellschaft besteht, aber in verkehrter Form, als allgemeine Proletarisierung. Zugleich steht der Name gegen den »linken« Nationalismus – der »wurzellose Kosmopolit« (Besrodny kosmopolit) war ein Schlagwort in der antisemitischen Kampagne, die Ende der vierziger Jahre in der UdSSR einsetzte.

28 Thesen zur Klassengesellschaft

Welche Veränderungen haben die Begriffe Proletariat, Klassenkampf und Revolution historisch durchlaufen, ohne damit hinfällig zu werden? In den Thesen findet sich einiges, was, ohne eigens mit Zitaten ausgewiesen zu werden, kurzerhand aus den Schriften des kritischen Kommunismus geplündert wurde. Sie stellen den vorläufigen Stand unserer gemeinsamen Selbstverständigung dar; wir veröffentlichen sie in die Hoffnung, mit Leuten in eine Debatte zu kommen, die sich mit ähnlichen Fragen herumschlagen.

„Präsident Chavez ist ein Werkzeug Gottes“

Venezuela gilt gegenwärtig als Gegenmodell zum sogenannten Neoliberalismus – unter traditionellen Linken wie auch in Kreisen, die wohl irgendwie aus den Autonomen hervorgegangen sind. Welch wichtige Rolle der Rohstoff Öl für den »Sozialismus des 21.Jahrhunderts« spielt, wie sich dieses neue Regime seine Macht sichert, indem es die soziale Kontrolle im Austausch gegen punktuelle materielle Verbesserungen für Teile des Proletariats ausweitet und warum Chavez vor allem für den Versuch steht, die Wut der Marginalisierten und Ausgebeuteten zu bändigen – davon handelt der Artikel.

Die Abenteuer der Autonomie – Zur Kritik des Operaismus

Warum ist der Begriff der Klassenzusammensetzung, der heute als Herzstück des Operaismus gilt, entweder eine Banalität oder aber führt auf Irrwege?. Wieso wäre es nicht verkehrt , an die Versuche der frühen Operaisten anzuschließen, die kapitalistische Produktion als widersprüchliche Einheit von Arbeits- und Verwertungsprozess zu sehen und die Möglichkeiten ihrer Aufhebung zu untersuchen?

Warten auf die immaterielle Arbeiterbewegung

Der philosophische Pomp und die Sprachgewalt, mit der einige heutige Nachfolger des Operaismus die These vertreten, die heutigen Arbeitsverhältnisse hätten das Wertgesetz außer Kraft gesetzt und den Produzenten unverhofft zu Autonomie und freier Kooperation verholfen, kann über die Unzulänglichkeiten dieser Theorie nicht hinwegtäuschen. Was bleibt von den theoretischen Höhenflügen von Toni Negri, Maurizio Lazzarato und anderen übrig bleibt, wenn man sie auch nur ein wenig erdet?

Das Ende einer Illusion

Zwei Flugblätter römischer Genossinnen und Genossen zum Nahen Osten, die den auch in Italien grassierenden Antiimperialismus hinter sich zu lassen versuchen. Warum sie uns wert schienen, dokumentiert zu werden, und in welchem italienischen Zusammenhang sie zu sehen sind, erläutern wir in einer kurzen Einleitung.